Mauritzschule, M√ľnster

Prolog - Wir müssen mit der Planung und Gestaltung unserer Städte und Bauwerke eine ökologische Wende erreichen, indem wir den Einsatz von Energie, Material und Boden um ein Vielfaches verringern. Jedes Bauen ist Bauen im Bestand. Neben der materiellen Bedeutung dokumentiert der Bestand in einem historischen Kontext die sozialräumlichen und kulturellen Zusammenhänge des Bauens. Jeder Neubau muss seine unabdingbare Notwendigkeit unter Beweis stellen.

Städtebauliche Einbindung + Leitidee

Anstatt einen Neubau zu errichten, sollen die vorhandenen Potentiale des Bestands genutzt werden. Durch einfache Eingriffe im Bestand kann die Mauritzschule um das geforderte Raumprogramm ergänzt werden. So findet der Speiseraum der Mensa im ehemaligen Atrium der Schule Platz und die neuen Räume der offenen Ganztagsschule werden im Souterrain verortet. Das Erscheinungsbild der Schule bleibt äußerlich nahezu unverändert. Ergänzend zum Raumprogramm innerhalb des Bestands wird ein eingeschossiger, transparenter   Baukörper entlang des Schulhofs positioniert, der multifunktional bespielbar ist. Dieser Pavillon soll als überdachter Pausenraum, offenes Klassenzimmer oder auch für externe Veranstaltungen genutzt werden. Der Schulhof bleibt durch den minimierten Baukörper in Gänze als zusammenhängende Fläche erhalten. Der transparente Pavillon fügt sich rücksichtsvoll in die linearen Strukturen der erhaltenswerten Bebauung des Dechaneiviertels und der Mauritzschule ein. Freiflächen und Sichtachsen werden dabei berücksichtigt und der Baumbestand bleibt unberührt.

Gebäudetypologie & Grundrisskonzept

Das Atrium der Mauritzschule übernimmt die Funktion des neuen Speiseraums. Zusammen mit der Pausenhalle bilden die Räume das neue Zentrum der Schule. Eine offene Treppe verbindet die beiden Bereiche miteinander. Funktional ergeben sich Vorteile, da die Nutzungseinheiten in einem Gebäude untergebracht und nicht auf zwei Baukörper verteilt werden. Der Speiseraum erhält ein neues Glasdach, welches die Dachneigung des Bestands aufnimmt. Die Küche sowie alle dazugehörigen Nebenräume werden im Norden auf der Rückseite der Schule verortet, von wo auch die Anlieferung erfolgt. Ein neuer Aufzug verbindet Unter-, Erd- und Obergeschoss miteinander und gewährleistet Barrierefreiheit im nördlichen Gebäudeteil. Die vorhandenen Luftschutzräume im Untergeschoss dienen zur Zeit als Lagerfläche. Diese werden jedoch nur zu Teilen benötigt und werden umgelegt, so dass an dieser Stelle die neuen OGS-Räume Platz finden.  Die Außenbereiche vor den OGS-Räumen im Untergeschoss werden abgeböscht, so dass eine natürliche Belichtung und Belüftung von Süden gewährleistet ist.

Grünes Klassenzimmer

Der Schulhof wird um eine Fläche westlich des vorgegebenen Baufelds erweitert. An dieser Stelle befindet sich bereits das grüne Klassenzimmer, welches durch den Pavillon um eine überdachte Fläche erweitert und optimiert wird. Sitztreppen fassen das grüne Klassenzimmer ein und laden zum Verweilen ein. Im Zentrum der Außenfläche befinden sich Hochbeete. Hier können sich die Schüler-/innen dem Thema Ernährung nähern und sich selbst die Zutaten anbauen, die später in der Küche zum Einsatz kommen. Als verbindendes Element zwischen den Schulhofbereichen liegt der transparente Pavillon. Ein auskragendes Dach holt den Besucher ab und bildet zusammen mit dem Bestand eine neue Torsituation. Ein offener Grundriss ermöglicht unterschiedliche Nutzungsszenarien. Zwei eingestellte Kuben beinhalten eine Sanitäreinheit mit kleiner Küchenzeile, Lagerfläche für Bestuhlung sowie Außenspielgeräte. Die transparente Fassade adaptiert das Fensterformat des Bestands und ermöglicht Blickbezüge zur alten Dechanei sowie der St. Mauritz Kirche.

Potentielle Erweiterung

Durch den Entwurf werden die Potentiale des Bestands vollständig genutzt und das Baufeld nur minimal beplant. Eine zukünfitge Erweiterung auf dem Schulhof ist nach wie vor denkbar.

 

Architektur: Berthold Ellertmann, Christian Schmitz 

Team: Tim Schöne, Fokko van der Linde

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